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KRATOCHWIL
Gabriele – Die Berberbewegung in Marokko. Zur Geschichte der
Konstruktion einer ethnischen identität (1912-1997), Berlin,
Gerd Winkerhane, Klaus Schwarz Verlag GmbH, 2002, 489s.
Das
vorliegende Buch bietet die erste umfassende wissenschaftliche Untersuchung
der Berberbewegung in Marokko. Auf der Grundlage eines sozio-historischen
Ansatzes untersucht die Autorin die Herausbildung und Konsolidierung
der marokkanischen Berberbewegung. Sie spannt dabei einen historischen
Bogen von 1912 bis 1997. Die unterschiedlichen Aspekte der französischen
Berberpolitik, die Rolle der Berber in der marokkanischen Unabhängigkeitsbewegung
sowie ihre Stellung im postkolonialen Marokko werden in ihrer Bedeutung
für die Herausbildung der Berberbewegung analysiert. Die ersten
berberistischen Artikulationen (Mohamed Chafik) und die Gründung
der ersten berberistischen Vereine in den 60er und 70er Jahren,
die Sommeruniversität von Agadir 1980, die Charta von Agadir
1991, die Rede von S.M. Hassan II infolge der „Affäre Tilelli"
1994, das Berberistische Manifest 2000 und schließlich die
Gründung des IRCAM durch S.M. Mohamed VI von 2001 markieren
wichtige Eckdaten dieser Entwicklung. Auf der Grundlage der von
der Autorin zwischen 1997 und 2000 durchgeführten Feldforschung
erfolgt auch eine Bestandsaufnahme des berberistischen Vereinswesens
(1967-1997). Hier werden die berberistischen Vereine, ihre Akteure,
Aktivitäten und Zielsetzungen als Teil der marokkanischen Zivilgesellschaft
vorgestellt. Einen wichtigen Teil nimmt die Analyse des berberistischen
Diskurses ein, als Beitrag zur innermarokkanischen Auseinandersetzung
um nationale Identität, Demokratisierung und Menschenrechte.
In einem sehr lesenswerten Exkurs berichtet die Autorin auch über
den ersten Weltkongress der Berber 1997 in Tafira.
Dieses
Werk zeichnet sich nicht nur durch eine wissenschaftlich fundierte
Analyse historischer Quellen aus, sondern vor allem durch die Auswertung
zahlreicher Interviews mit Wissenschaftlern und Vertretern der Berberbewegung.
Ergebnisse einer teilnehmenden Beobachtung fließen in die
Arbeit ebenso ein, wie die Auswertung bis dahin unveröffentlichter
Dokumente und geben ein umfassendes, detailliertes und sehr gut
recherchiertes Gesamtbild der marokkanischen Berberbewegung. Zahlreiche
Zitate, Literaturbeispiele, Illustrationen, Karten sowie ein Annex
mit biographischen Angaben zu den Akteuren der Berberbewegung („who
is who") runden das Buch ab und machen es zu einem unverzichtbaren
Standardwerk.
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